Die Entwicklung moderner Infrastruktur gehört zu den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und ist die Herausforderung für Afrika. Daran hat auch die aktuelle Wirtschaftskrise und die damit einhergehende Finanzierungsklemme nichts geändert. Im Gegenteil: Die staatlichen Hilfsprogramme zur Wiederbelebung der Märkte haben das Thema stärker denn je in den Fokus von Unternehmen und Investoren gerückt.
Die notwendigen Investitionen in den Bereichen Verkehr, Wasser und Energie summieren sich laut aktuellen OECD-Berechnungen auf 30 bis 40 Bio. USD bis zum Jahr 2030. Ein großer Anteil wird in die Wachstumsmärkte fließen – insbesondere in Projekte in der Region Subsahara-Afrika. Hier besteht besonderer Handlungsbedarf.
Der Großteil der afrikanischen Infrastruktur stammt noch immer aus der Kolonialzeit. In den vergangenen 50 Jahren haben viele Länder wenige oder gar keine Investitionen in diesem Bereich getätigt – mit tief greifenden Folgen für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Infrastrukturinvestitionen sind ein maßgeblicher Schlüssel, um neues Wachstum auszulösen oder aber – bei mangelnden Investitionen – auszubremsen.
Südafrika: Investitionen halten nicht mit Entwicklung Schritt
Dies sieht man am Beispiel Südafrikas. Das Land am Kap investierte noch bis in die 1980er Jahre stärker als andere Staaten der Region in Infrastrukturprojekte und ist damit defintiv das entwickeltste Land der Region. Die damaligen Fortschritte konnten jedoch nicht mehr Schritt halten mit der gestiegenen Kapazitätsnachfrage, die durch das einsetzende starke Wirtschaftswachstum entstand. Heute herrscht erneut ein erheblicher Nachholbedarf bei Infrastrukturinvestitionen in Südafrika.
Die Weiterentwicklung politischer Stabilität und von Corporate Governance-Strukturen in vielen Ländern Afrikas hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass Investoren nun eine bessere Ausgangsbasis für ihre Infrastrukturprojekte vorfinden. Durch dieses Klima hat sich die Attraktivität vieler neuer Bauvorhaben erhöht. Für deutsche Firmen gibt es insbesondere in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Bauwirtschaft und bei Finanzinvestitionen viele Chancen, um von den derzeit geplanten Infrastrukturprojekten zu profitieren.
Internationaler Vergleich: Relativ hohe Renditechance
Bei einem Engagement im südlichen Afrika können Unternehmen noch nicht mit westlichen Projektstandards rechnen. Das bestehende relativ höhere Länder- und Transferrisiko ist bei Investitionen jedoch auch mit der Chance auf eine höhere Kapitalrendite, den „return on investment“ (ROI) verbunden. Projekte in Afrika zeichnen sich im weltweiten Vergleich durch einen der besten ROI aus.
Laut einer Branchenanalyse war der ROI im Jahr 2007 im Durchschnitt viermal höher als bei Projekten in den G7-Staaten, doppelt so hoch im Vergleich zur Asien-Pazifik-Region und immer noch um 65 Prozent besser als bei Investitionsvorhaben in Südamerika. Die Eigenkapitalrendite bei Projekten in Afrika, der „return on equity“ (ROE), lag bei über 30 Prozent.
PPP: Wachsender Stellenwert in Afrika
Angesichts der milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur verbreiten sich Public Private Partnerships (PPP) sowie Projektfinanzierungen in Afrika immer weiter. Gerade angesichts der aktuellen Finanzierungsklemme gewinnen solche Kooperationen einen immer höheren Stellenwert. Länder wie Nigeria oder Angola, die in der Vegangenheit durch hohe Ölpreise über ausreichend Liquidität verfügten, öffnen sich jetzt für alternative Finanzierungsmöglichkeiten.
Selbst südafrikanische Monopolisten wie der Stromproduzent Escom oder das Transportunternehmen Transnet haben Schwierigkeiten, ihre ambitionierten Investitionsprogramme aus eigener Kraft zu finanzieren. Viele Länder haben bereits die notwendigen Rahmengesetzgebungen für PPPs standardisiert.
Aufgrund des wachsenden regionalen Handelsverkehrs zwischen den Ländern in Subsahara-Afrika steigt der Infrastrukturbedarf derzeit rapide an. Zugleich sind die Länder inzwischen stärker in den globalen Welthandel eingebunden. Der Waren- und vor allem Rohstoffhandel mit Europa, Nordamerika, aber auch Indien und dem Asien-Pazifikraum wächst überproportional. Dies verstärkt zusätzlich den Druck auf den Ausbau von Infrastruktureinrichtungen für Eisenbahn und Straßenbau, Häfen und Logistik, Pipelines sowie im Luftverkehr. Darüber hinaus bieten sich für deutsche Unternehmen insbesondere Möglichkeiten im Energie- und im Wassersektor.
Beispiel “North South Corridor Project": Regionale Handelsrouten verknüpfen
Eines der ehrgeizigsten Vorhaben in der regionalen Zusammenarbeit in Subsahara-Afrika ist das „North South Corridor Project“. Mit ihm soll eine verlässliche und effiziente Transport-Infrastruktur auf Schiene und Straße entlang der wichtigsten Handelsrouten im südlichen Afrika geschaffen werden. Ziel ist es, den rohstoffreichen Norden von Sambia und den Süden der Demokratischen Republik Kongo im Innern des Kontinents mit den Häfen in Tansania, Mosambik und Südafrika zu verbinden.
Die Initiative wird koordiniert von drei der wichtigsten regionalen Wirtschaftsvereinigungen COMESA, SADC und EAC und beteiligt neben Südafrika Simbabwe, Sambia, Tansania, die Demokratische Republik Kongo, Malawi, Botsuana und Mosambik. Das Gesamtprojekt ist ein wichtiges Pilotprojekt der internationalen „Aid for Trade“-Initiative der WTO.
Mit den Investitionen wollen die Länder in enger Zusammenarbeit mit internationalen Partnern Transportwege beschleunigen und damit die Kosten deutlich senken. Noch liegen sie in Subsahara-Afrika um 73 Prozent höher als in Europa oder den USA. In Folge der Auftaktkonferenz Anfang April 2009 in Lusaka, auf der die Finanzierung endgültig beschlossen wurde, bietet das Vorzeigeprojekt privaten Partner eine attraktive Investitionschance im Infrastruktursektor.
Beispiel „Inga 3 / Grand Inga”: 60.000 Megawatt Hydro-Strom am Kongo
Die umweltfreundliche Nutzung von Wasserkraft zur Gewinnung von Energie steht im Mittelpunkt des größten Hydroenergie-Projekts des afrikanischen Kontinents: “Inga 3 and Grand Inga”. Bislang sind nur schätzungsweise sieben Prozent des Hydroenergie-Potenzials in Afrika erschlossen.
Nachdem eine Reihe kleinerer Wasserkraftprojekte in der Region erfolgreich realisiert wurden, unternimmt die Western Power Corridor Company in der DR Kongo Anlauf für ein neues Großprojekt entlang des gleichnamigen Flusses Kongo. Nach jahrzehntelanger Planung und Diskussion soll hier nun in der ersten Stufe ein Wasserkraftwerk mit 5.000 MW Leistung entstehen. Ebenfalls geplant ist ein 3.000 km langes Netzwerk an Hochspannungsleitungen in die ebenfalls beteiligten Länder Angola, Namibia, Botsuana und Südafrika. In der Endphase soll das Gesamtprojekt rund 60.000 MW Strom produzieren.
Vergangenes Jahr wurde die Ausschreibung für technische und betriebswirtschaftliche Berater gestartet. Dennoch sind noch nicht alle politischen Entscheidungen zur Durchführung des Projekts zwischen den beteiligten afrikanischen Staaten gefallen. Der wachsende Energiebedarf des Kontinents und die Versorgung der Bevölkerung und der Industrie mit Strom sind jedoch immer drängendere Argumente, die zur baldigen Umsetzung des Gesamtprojekts führen können.
Simbabwe: Neue Regierung – neues Infrastrukturprogramm auf Dollarbasis
Nach der Unterzeichnung eines politischen Rahmenabkommens und der Bildung einer Koalitionsregierung hat die Regierung im März dieses Jahres ein Hilfsprogramm („Short Term Emergency Recovery Program“ – STERP) beschlossen, um die Wirtschaft des Landes nach der jahrelangen Krisenphase zu stabilisieren und wiederaufzubauen.
Angesichts des anvisierten Volumens von rund fünf Mrd. USD hängt der Erfolg der Investitionsprojekte insbesondere von der Beteiligung privater Unternehmen ab. Simbabwe wird daher auf das PPP-Modell zurückgreifen. Hier bieten sich für Unternehmen mit langfristiger Afrika-Strategie in der beginnenden Aufbauphase Chancen, die jedoch weiterhin an große politische Transferrisiken gekoppelt sind. Eine sorgfältige Analyse des Marktes und der inländischen Geschäftspartner ist deshalb unerlässlich vor einer möglichen Investitionsentscheidung.
Wichtige finanzielle Risiken der Vergangenheit – unter anderem gekennzeichnet durch die Hyperinflation – sind derzeit auf dem Weg der Besserung. Durch die faktische Abschaffung des Simbabwe-Dollars als Leitwährung und die Freigabe für ausländische Währungen verfügt das Land derzeit endlich über eine belastbare, harte Währung, die das Warenangebot und die Preisstabilität erhöht haben. Unternehmen in Simbabwe können nun zum Beispiel bei Jahresabschluss und allen Geschäftstransaktionen zwischen USD oder Südafrikanischen Rand frei wählen. Die Stromtarife wurden im März ebenfalls stark angehoben und liegen nun deutlich über denen in Südafrika. Dies eröffnet Investoren im Energiebereich neue Möglichkeiten.
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